Wider den linken Blödianismus
Gegendarstellung
In dem von Christoph Jünke, dem Vorsitzenden der Leo Kofler-Gesellschaft e.V., im Februar
2008 auf der homepage der LKG unter www.leo-kofler.de ins Netz gestellten
(sowie am 25. Februar 2008 in der Berliner Tageszeitung „junge Welt“ auf S. 10/11
auszugsweise abgedruckten) Text „Hände weg von Leo Kofler! Wie ein reaktionäres
Häuflein versucht, den linken Sozialisten Leo Kofler auf rechtsaußen zu drehen“
gibt es eine Unzahl falscher Tatsachenbehauptungen, die der Richtigstellung
bedürfen.
So behauptet
Jünke, die Sammlung von Aufsätzen und Rezensionen Leo Koflers u. d. T. „Nation –
Klasse – Kultur“ sei „Ende 2007“ im Wiener Karolinger Verlag erschienen.
Diese Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß das genannte Buch bereits Mitte 2007 erschienen ist; anderenfalls
hätte es von der „Neuen Zürcher Zeitung“ in deren internationaler Ausgabe nicht
schon am 1. Oktober 2007, p. 28, positiv rezensiert werden können. In seinem
intellektuellen Amoklauf in der Wochenzeitung „Freitag“ (23. Februar 2001)
spricht Jünke von der „NZZ“ als „einem der führenden Blätter der europäischen
Bourgeoisie“. Ist das nun als Lob oder als Tadel gemeint? Hoffentlich ersteres,
denn immerhin hat die „NZZ“ maßgeblich zur „Entdeckung“/Bekanntmachung Koflers
überhaupt erst beigetragen, indem ihr damals zuständiger Redakteur für
Geisteswissenschaften, der Liberale Hans Barth, Koflers 1944 in Bern gedruckt
herausgekommene Dissertation „Die Wissenschaft von der Gesellschaft“ am 3.3.45
einer intensiven Würdigung unterzog. In Jünkes Biographie „Sozialistisches
Strandgut. Leo Kofler – Leben und Werk (1907– 1995)“, Hamburg 2007 (VSA),
taucht der gebürtige Basler Philosoph p. 178 ebenfalls auf; dort allerdings mit
der für Jünke typischen, geradezu undeutschen Gründlichkeit als Heinrich
Barth.
Ferner
behauptet Jünke, Kofler werde in dem obengenannten Karolinger-Band „von
ultrarechts interpretiert und als nationalistischer Anti-Linker dargestellt“
sowie „selbst von zum Teil heftiger Kritik“ nicht „ausgenommen“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Kofler in dem von Reinhard Pitsch herausgegebenen Buch teils aus
kommunistischer, teil aus neomarxistischer Perspektive
interpretiert und u.a. als deutscher Patriot dargestellt wird (der er auch
war). Die – keineswegs heftige – Kritik in den Kommentaren bezieht sich primär
darauf, daß Kofler oft lediglich links argumentiert, wo er glaubt, Marxist zu
sein. Im Jünkeschen Phrasendschungel jedoch markieren die Attribute „links“,
„sozialistisch“, „marxistisch“ usw. keine deutlich unterscheidbaren Qualitäten,
sondern werden plump als Synonyme gebraucht.
Ferner
behauptet Jünke, Karolinger verlege Werke von bzw. über Ernst Nolte, Bernd
Rabehl und Karlheinz Weißmann sowie, „für die strikter am Zeitgeist
Orientierten“, „Bücher wider die vermeintliche mediale Hexenjagd gegen Eva
Herman oder gegen das linke Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung
(DISS)“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Karolinger weder die beiden letztgenannten Buchprojekte im
Programm hat noch die drei namentlich aufgeführten Herren zu seinen Hausautoren
zählt. Jünke verwechselt hier offenkundig das Angebot von Karolinger mit
demjenigen der Edition Antaios bzw. dem des Buchverlags der „Jungen Freiheit“.
Macht nix: Rechtsreaktionär bleibt halt rechtsreaktionär. (Gibt es demnach auch
ein „linksreaktionär“? Und wenn ja, wer gehört dazu?) Wie will Jünke uns
erklären, daß nicht nur die von ihm als besonders anrüchig empfundene „FAZ“,
sondern auch dezent weiter links stehende große überregionale Tageszeitungen
immer mal wieder Titel des Karolinger Verlags aufgreifen und der Aufmerksamkeit
ihrer Leser empfehlen? Leiden etwa deren Redakteure an erblichem Schwachsinn?
Oder wollen sie gar gezielt die Faschisierung des großdeutschen Sprachraums
fördern? Wie sonst kommt es dazu, daß etwa die „NZZ“ im Laufe der Zeit z.B.
Bücher von Ezra Pound, Hans Freyer oder Martin Mosebach, allesamt verlegt bei
Karolinger, nicht unkritisch zwar, aber doch als ernst zu nehmend oder anregend
rezensiert hat? Oder unlängst erst die liberale (i.e.
SPD-nahe) „Süddeutsche Zeitung“, als sie dem bekennenden Reaktionär Gómez
Dávila fast eine ganze Seite überließ oder die Hakenkreuz-Kulturgeschichte des
„FAZ“-Redakteurs Lorenzo Jäger ohne Abstriche positiv rezensierte? Sollte es
nicht doch eher so sein, daß Jünke mit Eva Herman nicht bloß die Haarfarbe teilt?
Ferner
behauptet Jünke, Günter Maschke sei „seit den 1970ern ein ebenso radikaler
Anti-Linker, einer der so genannten Vordenker der Neuen Rechten“ gewesen.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Maschke die ganzen siebziger Jahre über einen Standpunkt einnahm,
den man kaum anders denn als liberal wird bezeichnen können. Bester Beleg dafür
sind die zahlreichen Rezensionen in der „FAZ“, die ihn (neben seinen
Mit-Frankfurtern Iring Fetscher und Alfred Schmidt) als einen der belesensten
und vielseitigsten Kritiker ausweisen. So besprach Maschke dort u.a. Wolfgang
Harichs „Kommunismus ohne Wachstum?“ oder den von Dieter Claessens exhumierten
Paul Alsberg, schrieb über „Der proletarische Bürger“ usw. usf.
Ferner
behauptet Jünke, Pitschs Beschreibung auf dem Klappentext des Karolinger-Bandes
als „enger Vertrauter Koflers“ sei „ebenso schlicht gelogen wie die einstmalige
Selbststilisierung Stefan Dornufs zum ‚Privatsekretär‘ Koflers“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß ich die ganzen achtziger Jahre über so hautnah mit Kofler
zusammengearbeitet habe (bei Diskussion und Vorbereitung seiner Broschüren
etc.) und ihm vielfach zur Hand gegangen bin, daß er eines Tages in
Köln-Mülheim scherzend meinte, da könnte ich doch gleich sein Privatsekretär
werden. Ich stimmte ihm spontan zu – unter der Voraussetzung allerdings, von
ihm nicht materiell entlohnt werden zu müssen. Das hat also nichts mit Wahrheit
oder Unwahrheit zu tun, sondern mit Ironie. Was Pitsch betrifft, so habe ich
ihn Kofler vorgestellt beim Internationalen Bloch/Lukács-Kongreß der
Universität Mailand im November 1985, als wir alle drei dort referierten
(Kofler auf Deutsch, Pitsch und ich auf Italienisch). Kofler zeigte sich
beeindruckt von der Parallelität der Lebenswege (vom Vagabunden zum Professor
hier, vom Terroristen zum Träger der Georg Lukács-Medaille der Ungarischen
Akademie der Wissenschaften dort) und war von Pitsch als hellem Kopf, Wiener
Kauz und Kommunisten dreifach angetan, so daß die beiden damals auf Anhieb
Blutsbruderschaft schlossen und sich, ungeachtet des erheblichen
Altersunterschieds, als Genossen fortan auch duzten. Daß Jünke an Stalin zwar
kein gutes Haar läßt, aber selber mit der in der Stalin-Ära üblichen Technik
der Stigmatisierung mißliebiger Gegner, mit ihrer Ausradierung aus den Annalen
operiert, kann man der seiner oben zitierten Biographie angehängten
Bibliographie entnehmen, wo auf S. 673 u. d. T. „Nach der Zerstörung der
klassischen Arbeiterbewegung“ 1986 von Pitsch organisierte und durchgeführte
Wiener Gespräche mit Kofler eingetragen sind, Pitsch als „Unperson“ aber,
analog zur „Geschichte der KPdSU (B)“, in Jünkes Wälzer nicht geführt wird.
(Nebenbei: Der von Jünke zitierte Artikel in „konkret“ 12/1994 ist nicht von
mir formuliert worden.)
Ferner
behauptet Jünke, Pitsch und ich hätten die Wolfgang Harich-Gesellschaft in
unserem Sinne „aufgemischt“ und in eine publizistische und juristische Fehde
gegen die Witwe Harichs verwickelt.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Pitsch und ich die Wolfgang Harich-Gesellschaft gegründet und daß
bei dem Rechtsstreit gegen die Witwe Harichs die Gerichte in letzter Instanz
(26. Senat beim OLG München) unsere Position auf der ganzen Linie bestätigt
haben. Sollte Jünke etwa kein Zutrauen in die deutsche Rechtsprechung besitzen?
Ferner
behauptet Jünke, ich meinte „gegen die im Aisthesis-Verlag verlegten
Lukács-Werke (…) polemisieren zu müssen“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß in dem Bielefelder Verlag überhaupt keine Lukács-Werke im Plural
erschienen sind, sondern lediglich ein einziger Band, „Autobiographische Texte
und Gespräche“ (2005), der von dem ungarischen Philosophen im Rahmen dieser
Reihe nie als solcher vorgesehen gewesen war. Zudem bestätigt die schlampige
Machart des Buches Frank Benselers Ruf als „Lukács’ schlechtester Lektor“
(Wolfgang Harich). Durch eine in der Kofler-Aufsatzsammlung nachgedruckte
Rezension aus der „NZZ“ sowie zwei flankierende Maßnahmen, in denen die
diversen Unzulänglichkeiten der Edition von mir Punkt für Punkt aufgelistet
wurden, konnte die Ausgabe erfreulicherweise einstweilen gestoppt werden.
Ferner
behauptet Jünke, Pitsch und ich wären „bemüht, eine von den Linken angeblich
verdrängte ‘Lukács-Schule’ um Georg Lukács, Wolfgang Harich, Leo Kofler, Werner
Hofmann u.a. zu verteidigen, die von dessen [wessen? O du mein Syntax, S.D.]
Schülern gleichsam verraten wurde“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß in meinem Vortrag beim Internationalen Hegel-Kongreß in San
Sebastian 1996 (denn um diesen handelt es sich in Jünkes verquastem Referat)
nirgends von Verrat die Rede ist. Stattdessen wurde dort erstmals die Existenz
einer von mir sog. „Lukács-Schule“ skizziert, die weder mit der (zweiten
Generation der) Frankfurter noch mit der Budapester Schule auch nur
teilkongruent ist, sondern spezifische eigenständige Merkmale aufweist. In
etwas weniger von den hysterischen Umtrieben der Political Correctness
verseuchten Weltgegenden wie z.B. Großbritannien wurde der Befund auch prompt
anerkannt (cf. das Zentralorgan der britischen Komparatisten „New Comparison“
Nr. 33/34), und ich bin entzückt, daß Wortprägungen, Neologismen, Begriffe wie
„Lukács-Schule“ oder „letzte Witwe“ inzwischen Eingang in den allgemeinen
Sprachgebrauch gefunden haben. Herzlichen Dank.
Ferner
behauptet Jünke, Pitschs „Offenbarung an die Leserschaft, daß die drei
Gesellschaften (Georg Lukács-Gesellschaft, Wolfgang Harich-Gesellschaft, Leo
Kofler-Gesellschaft) in ihren Anfängen Mitte der 90er Jahre ‚enge Tuchfühlung‘
gehalten und bei Tagungen kooperiert“ hätten, entspräche „nicht der Wahrheit“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß im Vorwort des Karolinger-Bandes konstatiert wird, wie die
Kofler- mit der Lukács- und der Bloch-Gesellschaft Tuchfühlung hielt
(repräsentiert u.a. durch Rüdiger Dannemann, Wilfried Korngiebel), in Form von
Gefälligkeitsrezensionen, gemeinsamer Hexenjagd auf Andersdenkende usw. Daß die
Kofler-Gesellschaft, die in Gestalt von Jünke ihre Finger auch nach der
Harich-Gesellschaft ausstreckte, mit dieser anfänglich ebenfalls „kooperieren“
wollte, ist nur am Widerstand der letzteren gescheitert, da sie nicht geneigt
war, die Maxime „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ zu beherzigen
(vulgo: Deckst du meine Inkompetenz, decke ich deine).
Ferner
behauptet Jünke, ich sei „auch in der Internationalen Hegel-Gesellschaft“ mit
meinen „dortigen Ausfällen bereits aufgefallen“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß ich im Rahmen der Internationalen Hegel-Gesellschaft (in die ich
eintrat auf nachdrückliche Empfehlung ihres Gründers, des fränkischen
Kommunisten, Juristen und eigenhändigen Wiedererweckers der Hegelei nach 1945,
Wilhelm Raimund Beyer) keineswegs „aufgefallen“ bin. Und wenn, dann nicht durch
irgendwelche von Jünke zusammenphantasierten „Ausfälle“, sondern durch
Sachkompetenz, wie von mir geschätzte Emeriti wie die oben genannten Herren
Fetscher und Schmidt bestätigen.
Ferner
behauptet Jünke, Pitsch sei beim Bochumer Kofler-Symposion „mit solch
polternden deutschnationalistischen, antisemitischen und anti-linken Ausfällen“
hervorgetreten, daß „sich selbst sein Kompagnon Dornuf zur Distanzierung
genötigt sah“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß ich gegen die Klassifizierung von Pitschs – zugegeben:
polemischen – Erörterungen als „deutschnationalistisch“ und „antisemitisch“,
die Jünke, variiert, auch im „Freitag“ vom 23. Februar 2001 vorbringt, von
Anfang an scharf protestiert habe, auch in meiner minutiösen Gegendarstellung,
deren Abdruck dann von der Berliner „Ost-West-Wochenzeitung“ dank Jünkes
Intrigen verweigert wurde (s. weiter unten). Meinen eigenen Vortrag bei jener
Gelegenheit charakterisiert Jünke selbst als „geistreich“ (die freizügige
Inhaltsangabe lasse ich hier fürs erste beiseite) – leider kann man das von den
übrigen Referaten nun wirklich nicht behaupten. Als sich dann abzeichnete, daß
die Kofler-Gesellschaft massiv Zensur ausüben und die unbequemen Äußerungen des
Kofler-Intimus Pitsch nicht in den geplanten Materialienband (Verlag
Westfälisches Dampfboot) aufnehmen würde, habe ich meinen Vortrag aus Solidarität
ebenfalls zurückgezogen – auch um ein einheitlicheres (eben eher geist-freies)
Niveau der Kongreßakten zu gewährleisten. Und im übrigen: Distanzieren müßte
ich mich von jemandem erst dann, wenn er, außer in parodistischer Absicht, den
Führergruß vorexerzierte. Soviel zu Mahler und Anstreicher.
Ferner
behauptet Jünke, der „Freitag“ habe nach Ablehnung meiner Gegendarstellung zu
den oben angedeuteten Vorfällen die langjährige Zusammenarbeitet mit mir
beendet.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß ich selber nach Ablehnung meiner Gegendarstellung durch den
„Freitag“ die langjährige Zusammenarbeit mit diesem beendet habe, wie später
auch diejenige mit dem „Neuen Deutschland“ und der „jungen Welt“, als diese
sich ähnlich verhielten und die Aufdeckung linker Inkompetenz unter den Teppich
zu kehren beabsichtigten; denn ungestraft zensieren lasse ich mich höchstens
von jemandem, der mächtig gut zahlt. Der Abbruch jener Kontakte war für mich
auch kein „Fiasko“, wie Jünke schreibt (und anscheinend glaubt). Im Gegenteil:
Mit einem hörbaren Seufzer der Erleichterung habe ich darauf reagiert, daß mir
endlich die Bürde meiner Entwicklungshilfe, des intellektuellen Aufbaus Ost,
abgenommen ward, die ich, atlasgleich, nach der „Wende“ zu schultern mich
anheischig gemacht hatte, da mir ja meine sozial bevorzugte Stellung (dazu
später mehr) eine besondere sittliche Verpflichtung auferlegt. So jedenfalls
dachte ich damals noch, unter dem Einfluß der Lukácsianer Kofler und Harich
stehend. Auf die Preisfrage indes „Est-il utile au Peuple d’etre trompé?“
antwortet die Kofler-Gesellschaft: Aber immer! Die Definitionen der Dialektik,
des „westlichen Marxismus“ usw., die Jünke in der Einleitung zu dem von ihm
edierten Kofler-Sammelband „Zur Kritik bürgerlicher Freiheit“ (Hamburg 2000,
VSA) anbietet und die ich in meinen Rezensionen in der „NZZ“, der „SZ“ sowie im
„Freitag“ zitiere, sind haarsträubend und weisen ihn als kompletten Ignoranten
aus. Daß das, wenn es sich denn herumgesprochen hätte, seiner akademischen
Laufbahn nicht eben förderlich gewesen wäre, wußte auch Jünke, der deshalb, im
Verein mit der Kofler-Gesellschaft, ein großes Gezeter anzettelte und meine
trouvailles als Unterstellung und Rufmord auszugeben beliebte, dabei auf
grassierende Legasthenie und Unbildung nicht zuletzt unter Linken spekulierend.
(Wer sich genauer informieren möchte, dem schicke ich meine damals vom
„Freitag“ unterdrückte erste Gegendarstellung gerne kostenlos zu.) Desgleichen
jetzt mit den publik gemachten Fälschungen: Jünke verhält sich wie der Dieb,
der wegrennt und dabei „Haltet den Dieb !“ schreit, gerade so, als ob er
jemandem dicht auf den Fersen sei.
Ferner
behauptet Jünke, daß ihm und seinesgleichen nun zum Vorwurf gemacht würde,
„Koflers Reputation beschädigt“ zu haben, „indem wir ihn als lediglich
‘bedeutend’ eingestuft (…) hätten“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß im Vorwort des Karolinger-Bandes gerügt wird, Jünke & Co.
machten Kofler (wohlgemerkt: unbewußt!) lächerlich, indem sie ihn als
„eigenständig“ und „bedeutend“ deklarierten. Selbst einer intellektuellen
Leuchte wie Professor Werner Jung von der Lukács-Gesellschaft, den der
„Freitag“ damals in aller Eile als Ersatzmann für den bösen Stefan Dornuf
anheuerte, fiel auf, daß Kofler ein völlig orthodoxer Lukácsianer war, ohne die
mindeste größere Abweichung von seinem „Meister“ – außer auf dem Gebiet der
Ontologie (was jüngst noch Werner Seppmann zu verkleistern suchte; cf.
Karolinger-Vorwort p. 12, die letztgenannte der insgesamt fünf gröbsten
Manipulationen seitens der Kofler-Gesellschaft). Es ist bezeichnend, daß, als
Günter Maschke Ende der 60er in Havanna eine soziologische Bibliothek auf
Spanisch verlegen wollte, Adorno sich dagegen verwahrte, mit Kofler in
derselben Buchreihe zu erscheinen. Und mit Recht, denn der Niveauunterschied
zwischen beiden ist allzu beträchtlich. Das hat nicht das Geringste mit der
jeweiligen Aussage zu tun, sondern einzig mit dem Rang der
Kombattanten. Wie ich aus Erfahrung weiß, ist es eine undankbare Aufgabe,
Kofler zu verteidigen, weil er im „seriösen“ Universitätsbetrieb keinen guten
Ruf genießt (was immer das heißen mag). Insofern ist die Gesinnungshuberei als
Kehrseite des begriffslosen Gestammels von Jünke & Co. eher
kontraproduktiv. Man darf die Worte des Großen Vorsitzenden nicht auf die
Goldwaage legen: Es steht nämlich zu befürchten, daß, wenn Jünke auf dem
letzten = 13. Blatt seines jüngsten Elaborats von Versuchen redet, sich
„mittels kommentierter Edition sozialwissenschaftlicher Klassiker“ „mit den
Federn eines großen Mannes zu schmücken“, mit dem „Klassiker“ und „großen Mann“
nicht allein Carl Schmitt gemeint ist, sondern auch Kofler. Mein Rat: Jünke
sollte dringend mal zum Arzt gehen. Bisweilen hilft’s.
Ferner
behauptet Jünke, die von der 6. in die 8. Auflage von Koflers „Geschichte der
bürgerlichen Gesellschaft“ übernommene falsche lateinische Kasuistik [von casus
abgeleitet] apropos des mittelalterlichen Universalienstreits wäre „für Pitsch
Beweis für die, so wörtlich, ‚Retuschen seitens der Leo Kofler-Gesellschaft‘,
die zudem ‚ausschließlich ideologisch motiviert‘ seien“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Pitsch (oder wer auch immer das Vorwort und die Kommentare des
Karolinger-Bandes verfaßt hat) diesen Druckfehler als das behandelt, was er
auch ist: als ordinäre Schlamperei nämlich, allerdings minus Koflers Wiener
Charme, und diesen Lapsus mit den tatsächlichen Fälschungen von Seppmann, Jünke
et Cie. in keinerlei Verbindung bringt. „Der Scanner ist eben nicht allmächtig
und der individuelle Mensch fehlbar“: Stimmt. Wo Jünke recht hat, hat er recht
(und das ist ja, wie wir inzwischen wissen, nicht eben häufig der Fall). Genau
so ist übrigens auch die Mehrzahl der „formalen Eingriffe“ (Jünke), sprich:
Druckfehler, in dem Karolinger-Band zustande gekommen: weil die [Achtung, jetzt
kommt eine sexistische Bemerkung!] zwar patenten, aber völlig übernächtigten
Fräuleinwunder des österreichischen Sparkassenvereins sämtliche Kofler-Texte im
Eiltempo per Hand abtippten, bis sie aus den Pantinen kippten [die Damen, nicht
die Texte] und der sonst so unerbittlich „penible“ (Harich) Stefan Dornuf keine
Zeit mehr hatte, abschließend, i.e. in einem vierten Durchgang, Korrektur zu
lesen, da das komplette Buch in sage und schreibe zwölf Wochen aus dem Boden
gestampft werden mußte, um so dicht wie möglich an dem runden Jubiläum zu
bleiben. (Doch keine Sorge: Soweit es sich um echte Fehler handelt, werden sie
spätestens in der 2. Auflage von „Nation – Klasse – Kultur“ behoben werden.)
Bei Jünke hingegen ist es längst zur zweiten Natur geworden, sich einen
runterzuschludern, und so wartet er nun, nachbessernd, mit einem „fundamentum
in re“ auf, das bei Kofler gar nicht vorkommt – eines der vielen
„Kabinettstückchen“, wie sie Jünkes theologisch-humoristischer Bochumer
Doktorvater, der, vom Heiligen Geist beflügelt, unglaublich gern dicke
spannende Bücher liest, im „Geleitwort“ zur gedruckten Diss. seines Zöglings
anpreist.
Ferner
behauptet Jünke, „außer der Tatsache vielleicht, daß Kofler der erste
marxistische Kritiker von Habermas gewesen ist“, hätte ersterer mit letzterem
„nichts“ zu tun.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Habermas unter Koflers Einfluß seine Stalinismuskritik, an der
Jünke (im Unterschied zu Pitsch und mir) so viel liegt, radikal, d.h.
qualitativ verändert, nämlich von einer ursprünglich genuin marxistischen =
komplexen in eine nurmehr linke = oberflächliche transformiert hat. Da Habermas
sich über jeden Leser freut und es deren bloß so wenige freiwillige gibt, will
ich mein wertes Publikum an dieser Stelle ein klein wenig auf die Folter
spannen und die Fundstelle einstweilen nicht preisgeben. D.h. Jünke
& Co. wird, so fürchte ich, nichts anders übrig bleiben, als Habermas’ Schriften
selbst zu überprüfen – eine Aufgabe, um die ich sie nicht beneide (aber dieser
wohltemperierte Sadismus meinerseits dürfte sie auch kaum überraschen, oder?).
Habermas’ Retuschen an seinen eigenen Texten sind übrigens keine
„vermeintlichen“, wie Faultier Jünke diplomatisch-abwiegelnd schreibt, sondern
sehr handfest und in dem Karolinger-Band ebenso detailliert nachgewiesen wie
die Fälschungen bzw. Manipulationen nachmals federführender Mitglieder der
Kofler-Gesellschaft an ihrem, inzwischen verewigten, Gegenstand.
Unvorsichtigerweise zitiert Jünke sogar den Satz aus dem Vorwort, in dem unsere
Vorwürfe konzentriert, gebündelt stehen: „Mal wird ein Abschnitt über
Entstalinisierung ‚weggezaubert‘, mal ein Hinweis auf Carl Schmitt; Koflers
ganze Gehlen-Rezeption soll nicht wahr gewesen sein, die Hinwendung zur Nation
ebenso wenig etc.“ Jünkes anschließendes Lamento über „nur schwer zugängliche
Quellen“ ist, höflich ausgedrückt, befremdlich, sofern es sich nicht (was ich
zu seinen Gunsten hier einmal, und ausnahmsweise, nicht unterstellen will) um
gezielte Irreführung handelt: Denn neben käuflich leicht zu erwerbenden Büchern
von Müller & Nerding (München) werden ausschließlich Publikationen von
traditionsreichen Wissenschaftsverlagen wie Duncker & Humblot und Akademie
(beide Berlin) genannt, die in jeder besser sortierten Universitäts- bzw.
Institutsbibliothek des In- und Auslandes stehen und von daher problemlos (so
man denn wirklich neugierig ist) einzusehen sind.
Ferner
behauptet Jünke, daß, beschaffte man sich jene Quellen, man „dort lediglich auf
Veröffentlichungen Stefan Dornufs trifft, in denen dieser zumeist gegen Werner
Seppmanns Kofler-Interpretation polemisiert – nicht mehr und nicht weniger“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß sich an den entsprechenden Stellen die Fälschungen an
Kofler-Schriften bei VSA (Hamburg) durch Seppmann und Schönleiter sowie
denjenigen bei Dietz (Berlin) durch Jünke, Jakomeit, Zolper etc. dokumentiert
finden. Apropos Jünkes Stil: Sein Wortschatz vermag, was Volumen und
Differenziertheit angeht, ernsthaft höchstens noch mit demjenigen des
basisdemokratisch ermittelten größten aller jemals Deutschen (etliche
Nasenlängen vor Goethe), Konrad Adenauers nämlich, zu konkurrieren. Auf Schritt
und Tritt begegnen einem die immergleichen Leerformeln, Floskeln, „Phrasen“
(Kofler): Die von Wolfgang Harich in seiner intellektuellen Autobiographie
„Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ (1993) sogenannten „prächtigen Schüler“
Leo Koflers, die auch ihm [Harich] allezeit ein wahres Labsal gewesen, id sunt
Pitsch und Dornuf, die bösen Buben, täten – schenkt man Jünke Glauben – nichts
als „Ausfälle“ und „Polemiken“ tun. Sein ganzer Text ist von A bis Z mühsam
zusammengeklaubt aus Brocken, die wir ihm zuvor als Stichwörter hingeworfen
haben: Das fängt an mit „Hände weg von Leo Kofler!“, einer dürftigen Paraphrase
unserer Aufforderung an die LKG, ihn endlich in Frieden zu lassen, und hört auf
mit einer stümperhaften Variation, wie üblich in korruptem Küchenlatein, über
das von uns angeschlagene Thema, die LKG präpariere ihren Namenspatron ad usum
Doofini. Der einzig originelle, eigenständige Gedanke, der sich Jünkes
bisherigen Expektorationen entnehmen läßt, ist der, daß er akademisch Karriere
machen möchte. Wenn da nur nicht diese unbestechlichen Ruhestörer wären,
Pitsch, Dornuf usw. in der Endlosschleife.
Ferner
behauptet Jünke, an der Neuausgabe von Koflers „Geschichte und Dialektik“
(Essen 2004) mißfalle „Pitsch die dort von Seppmann in einem eigenen Nachwort
vorgelegte Interpretation des Koflerschen Werkes“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Pitsch sich zu der genannten Neuausgabe überhaupt nicht äußert.
Es geht auch weniger um eine von Seppmann in seinem Nachwort „vorgelegte
Interpretation des Koflerschen Werkes“ als um die von ihm daselbst praktizierte
Fälschung des Koflerschen Standpunkts zu einem „sozial-ontologischen“, und ich
war es, der dies im „Hegel-Jahrbuch“ 2007 in einer Fußnote aufgriff. Manchmal
aber überkommt es Jünke, und dann fabuliert er ohne Rücksicht auf
autoritär-einengende Logik, Grammatik etc. munter drauflos: „Vergleicht man die
Greifbarkeit von Koflers Schriften mit der anderer Vordenker der Linken, bspw.
Adorno, Marcuse oder Abendroth, sieht es für die ersten beiden Fälle schlecht,
für den letzteren nicht ganz so schlecht aus.“ Ich kann mir nicht helfen, aber
ich muß bei „Greifbarkeit“ irgendwelcher Bücher immer zuerst an die bewegte
Vergangenheit unseres allseits verehrten („charismatischen“, so Jünke)
einstigen grünen Außenministers denken. Doch Spaß beiseite. Was will uns der
Dichter, sprich: Jünke, mit dem zitierten Satz zu verstehen geben? Von wem
fehlt jetzt zuviel, und wieso? „Teddie“ (unbedingt einer der „ersten beiden
Fälle“, wenn man die Fantastischen Vier von vorne = Kofler statt von hinten =
Abendroth abzählt) kann’s ja wohl nicht sein, denn von ihm hat bekanntlich
Unseld in Spendierlaune eine veritable Anstaltspackung auf den Markt
geschmissen. Mir kommt da gerade, pardon, ein grauenvoller Verdacht: Sollte
Adorno von Jünke verwechselt worden sein mit einem anderen Philosophen
jüdischer Abstammung, der/den Thomas Mann mindestens ebenso hoch schätzte? …
Aufschlußreich auch, daß Jünke mit zweierlei Maß mißt, nach dem „Quod licet
bovi, non licet Jovi“-Prinzip. Werner Seppmann (= bovis) erhält von Jünke ein
kameradschaftliches Schulterklopfen dafür, daß er „in eigener Regie“ < sic
> die „Greifbarkeit“ von Koflers Schriften unauffällig erhöhte. Jetzt eifert
Reinhard Pitsch (= Jovis) ihm nach und steigert, ebenfalls in eigener Regie,
diese „Greifbarkeit“ noch, allerdings nicht ganz so unauffällig – eben mit dem
Karolinger-Band. Doch Undank ist der Welt Lohn. Nicht einmal mildernde Umstände
werden Pitsch von der LKG zuerkannt, obschon doch Dornuf, sein getreuer
Zuarbeiter, nicht anders als Seppmann oder Jünke nach wie vor ordentliches
Mitglied der Kofler-Gesellschaft ist (sogar das am eifrigsten gemolkene und zur
Kasse gebetene), deren Statuten u.a. vorsehen, eben jene „Greifbarkeit“ nach
Kräften zu fördern. Darf’s ein bißchen mehr sein?
Ferner
behauptet Jünke, Koflers Werk stehe „nicht zuletzt für originelle Beiträge zur
marxistischen Ästhetik und Anthropologie“. Diese Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß innerhalb der marxistischen Ästhetik (die in wesentlichen Zügen
mit der Hegelschen übereinstimmt) Koflers einschlägige Reflexionen zu
denjenigen von Lukács im gleichen Verhältnis stehen wie die Marcuses zu denen
Adornos, nämlich in direkter Abhängigkeit bzw. orthodoxer Anhängerschaft. Daß
sie gerade in diesem Punkt nicht „originell“ waren, wußten sowohl Kofler als
auch Marcuse; sie haben das nie bestritten. Im übrigen ist Originalität unter
Umständen ein eher dubioses Kriterium und keine unzweifelhaft rühmenswerte
Eigenschaft. Gerade Lukács und die Lukácsianer erblickten ja in deren
postulierter Positivität ein Indiz für spätbürgerliche Dekadenz: Ohne Markt
bedürfte es weder realer noch vermeintlicher Originalität, sie wäre schlicht überflüssig.
Allerdings sind Kofler und Marcuse – wie Lukács und Adorno – jeweils stringent,
anders als die eklektischen und in sich widersprüchlichen ästhetischen Theorien
von Ernst Fischer, Hans Mayer oder Henri Lefebvre. – Eine marxistische
Anthropologie hingegen kann es prinzipiell nicht geben, ebenso wie eine
marxistische Mathematik, Physik, Chemie ein Unding wäre (auch wenn das
DDR-„Philosophenlexikon“ von 1982 Nonsens-Rubriken wie „marxistische Zoologie“
führte). Jedem halbwegs intelligenten, von ideologischen Scheuklappen befreiten
Menschen müßte plausibel zu machen sein, daß die Koflersche Anthropologie in
wesentlichen Zügen mit der Gehlenschen (und diese wiederum mit der
Alsbergschen) übereinstimmt. M. a. W. wenn Kofler bzw. Gehlen Anthropologie
treibt, ist er in diesem Moment kein Marxist bzw. Konservativer. Und umgekehrt:
Wenn Kofler bzw. Gehlen als Marxist bzw. Konservativer spricht, treibt er in
diesem Moment keine Anthropologie, sondern Soziologie. Davon völlig unberührt,
losgelöst bleibt der für Jünke (weil ihn nur sein armseliger egoistischer
Ehrgeiz anspornt statt das traditionelle Problembewußtsein deutscher
Dickbrettbohrer [Gehlen]) unergründliche Rang der betreffenden Gelehrten. Wie
kann der unverschämte Dornuf sagen, daß Schmitt oder Gehlen (aber eben auch
Lukács oder Adorno – es hat also nichts mit der beliebten rechts /
links-Dichotomie zu tun, an die sich Jünke jammernd, aus purem
Selbsterhaltungstrieb klammert) Genies sind, Kofler aber „bloß“ ein Talent (und
letzteres ist heutzutage schon sehr viel)? Weil er alle ihre Schriften gelesen
und, so steht zu befürchten, auch verstanden hat. Noch Fragen?
Ferner
behauptet Jünke, daß der Karolinger-Band Koflers Rezension des
Naturrecht-Büchleins von Hans Reiner nachdrucke „aus dem ‚alleinigen Grund‘,
daß sie auch in der von der LKG postum erstellten und intern hektographierten
Bibliographie nicht auftauche“, „also, so die Suggestion, offensichtlich bewußt
unterschlagen“ und „angeblich gezielt verschwiegen“ wurde.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß in dem Karolinger-Band nirgendwo behauptet wird, besagte
Rezension sei von der LKG „offensichtlich bewußt unterschlagen“ und „angeblich
gezielt verschwiegen“ worden. (Sollte es Jünkes schlechtes Gewissen sein, das
ihn da etwas vorschnell aus seiner Deckung treibt?) Festgestellt wird
lediglich, daß sie in den drei offiziellen Kofler-Bibliographien bis
einschließlich 2006 nicht auftaucht, aus welchem Grund auch immer.
„Sozialistisches Strandgut“ war, als der Karolinger-Band im malerischen Sankt
Stefan im Lavanttal in die Druckerei ging, noch nicht erschienen. In dessen
Vorwort ist ausdrücklich von „gut geschriebenen“ Biographien die Rede; somit
kann diejenige Jünkes nicht gemeint gewesen sein. Nein, die Reiner-Besprechung
war als Warnung in unsere Sammlung aufgenommen worden – an die Adresse von
Leuten wie Jünke & Co., die auch von Philosophie nichts verstehen, Kofler
bisweilen zum Philosophen stempeln und ihn damit lächerlich machen. Kofler war
auch kein Historiker (die LKG versteht unter Geschichtsschreibung linke
Kaffeekränzchen à la „Der rote Großvater erzählt“), sondern Soziologe.
Er hat, gerade postum, mehr davon, intelligent kritisiert als unintelligent
gelobt zu werden, und da die geistigen Karnickelzüchter, die seinen Namen
verschleißen, bloß zu letzterem imstande sind, tue ich, sehr sporadisch, auch
ersteres, z.B. in dem schon erwähnten „Hegel-Jahrbuch“ 2007.
Ferner
behauptet Jünke, ich sei „herumgegangen“ (im Rahmen einer Bildungsreise durch
den Ruhrpott vielleicht?), „um bei ehemaligen Weggefährten und Bekannten
Koflers um alte Texte und Dokumente zu betteln“, einzig zu dem Zweck, „sie der
LKG bewußt vorzuenthalten“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß ich das Betteln und Hausieren solchen Typen wie Jünke überlasse
und daß Kofler selbst es war, der mir im Laufe unseres fünfzehnjährigen
vertraulichen Verhältnisses alle paar Monate Papiere von sich in die Hand
drückte. Dabei sagte er kein einziges Mal „Geben Sie’s weiter an diese
Fälscher“ (was ich dann natürlich sofort getan hätte); auch von letzten Witwen
war noch nicht die Rede. Stattdessen bat er mich, „in eigener Regie“ (Jünke)
nach einem geeigneten Publikationsort Ausschau zu halten. Ich erfülle mit der
Veröffentlichung also lediglich seinen ausdrücklichen vorletzten, drittletzten
usw. Wunsch. Bei den Texten handelte es sich häufig um Erstfassungen von
Aufsätzen oder Vorträgen, die z.T. durch redaktionelle Eingriffe von
Zeitschriften etc. gekürzt oder mehr oder weniger stark verändert worden waren.
So kam ich denn u.a. an die (leider außerordentlich schwachen) Schelsky- und
Kolakowski-Kritiken, die jetzt in der Karolinger-Sammlung nachzulesen sind;
desgleichen auch an die von der LKG – mit Jünke zu sprechen – „bewußt
unterschlagene“ und „gezielt verschwiegene“ ursprüngliche Version jener
Abhandlung Koflers (von 1983) über Marxens Anthropologie, die nun, nebst einer
verkleinert reproduzierten anmutigen Kohlezeichnung, den zweiten Band der
Gedenkschrift für seinen Freund Wolfgang Harich schmückt (München 2000, Müller
& Nerding). An dieser Stelle habe ich die traurige Pflicht, noch eine
weitere Manipulation der LKG zu vermelden, die im Vorwort des Karolinger-Buches
nicht gelistet werden konnte, weil Jünkes Biographie, wie gesagt, damals noch
nicht erschienen war. In deren erweiterter Bibliographie fehlt nämlich – wie
könnte es anders sein – p. 673 ausgerechnet der in unserer bayrischen
Chrestomathie enthaltene Titel, da er für Gehlen weniger ungünstig ausfällt als
die Fassung, die die Kofler-Gesellschaft vertreibt. Die zweiteilige Hommage
„Wolfgang Harich zum Gedächtnis“ jedenfalls ist damals landauf, landab, von der
„FAZ“ über die „SZ“ bis hin zur „NZZ“, im Feuilleton überaus positiv angezeigt
worden, außerdem von einigen linken Klitschen, die Seppmann bzw. Jünke bei
seinem regelmäßigen „Herumgehen“, i.e. Klinkenputzen, bedient. Doch letzterer,
statt mit Anstand selber anzuschaffen, bettelte um ein kostenloses
Rezensionsexemplar, erhielt indes keines, weil wir Harich von einer solchen Pfeife
nicht rezensieren lassen wollten.
Ferner
behauptet Jünke, Pitsch habe zu Protokoll gegeben, Brecht sei „vielleicht nicht
der große Denker, für den ihn die ‘Lukács-Schule’ einhellig [einhellig?, C. J.]
hielt“.
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Pitsch schreibt, Brecht wäre eventuell doch nicht „der große Dichter,
für den ihn die ‘Lukács-Schule’ einhellig hielt“. Die Schnapsidee, BB als
Denker zu rubrizieren, hat Jünke womöglich vom „Argument“-Häuptling W. F. „ich
habe gesprochen“ Haug, der diese Gebetsmühle seit Dezennien unverdrossen dreht.
Daß es mit Brechts philosophischer Bildung nicht weit her war, kann man
nachlesen bei jemandem, der ihn persönlich sehr gut kannte, Wolfgang Harich, in
dessen „Mehr Respekt für Lukács !“ (in „Kultur und Gesellschaft“ [Köln], Nr. 11/12,
1988, pp. 3–10 [hier p. 4]; dieser in der DDR auf Betreiben von Stephan
Hermlin, Manfred Buhr u.a. verbotene Harich-Text war zuvor schon durch
Vermittlung Pitschs in der Wiener Zeitschrift „Aufrisse“ erschienen). Meinen
Gruß an die Peter Hacks-Gesellschaft. – Was Jünkes Fragezeichen hinter dem
Adjektiv „einhellig“ betrifft, so empfehle ich ihm, fürderhin mit dem DUDEN,
alte Rechtschreibung, unterm Kopfkissen zu schlafen und auf ein Wunder zu
hoffen.
Ferner
behauptet Jünke, daß Pitsch oder wer auch immer schriebe: „Obwohl die
Positionen von Kofler und Schelsky deutlich verschieden waren, lagen sie doch
andererseits nicht so weit auseinander, wie beide Lager glauben machen
mochten.“
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß Pitsch oder wer auch immer schreibt: „wie beide Lager glauben
mochten“. Jünke, als panische Ratte in der Falle, beschert uns hier eine
Freudsche Fehlleistung, wie sie jedem psychoanalytischen Lehrbuch zur Zierde
gereichen könnte. Denn während der Wiener Autor, in echt karolingischer Largesse,
den beiden Soziologen eine mögliche Selbsttäuschung konzediert („glauben
mochten“), assoziiert Jünke automatisch das, was er und die Seinen unter Tage
praktizieren: die arglistige Täuschung Dritter („glauben machen mochten“).
In einem allzu seltenen Anflug von Selbstkritik spricht Jünke denn auch von
sich und seinen lichtscheuen Kumpels als einer „Bande von heruntergekommenen
Schändern des Angedenkens von Leo Kofler“. Bravo! Das ist schon die halbe
Miete. So müßte es weitergehen mit der Läuterung. Warum nicht gleich so? Doch
bedauerlicherweise bleibt Jünke mit seinem reumütigen Brustklopfen in Ansätzen
stecken, ist taub und blind für Doppelbödiges und Nuancen aller Art (fast so,
als hätte er die Habermassche Kommunikationstheorie internalisiert). So
passiert es ihm dreimal, daß er Kofler gegen vorgebliche „Angriffe“ meint in
Schutz nehmen zu müssen, wo wir ihn loben, u.a. für seine „robuste,
ungeschliffene Geradlinigkeit“ (mithin ein Rohdiamant), und seine „oft
polternde Intelligenz“. Außerdem dafür, daß er sich als „euphorisch
aufbauwilliger Gut-Gläubiger“ [nicht: Gutmensch] der jungen SBZ und nachmaligen
DDR zur Verfügung stellte. Letzteres nennt Jünke eine „Ohrfeige“ für Kofler.
Vielleicht sollte man ihn, Jünke, häufiger abwatschen, damit das Blut im Gehirn
(und nicht nur im Magen) endlich anfängt zu zirkulieren? Er hat nämlich auch
Schwierigkeiten, verschiedene Textsorten auseinanderzuhalten, indirekte und
wörtliche Rede zu trennen usw. So unterschiebt er mehrfach den
Karolinger-Herausgebern Positionen, die diese bloß referieren, etwa bei Marx
über Kinderarbeit oder, ebenfalls Marx, über den Zusammenhang von
Arbeitsteilung, Entfremdung und Demokratie (wohlgemerkt: alle mit exakter
Quellenangabe, wenn auch mehrheitlich nicht aus der MEW; aber da Werner
Seppmann, der zweite Hauptfälscher Koflers, sich inzwischen zum Vorsitzenden
der Marx/Engels-Stiftung verstiegen hat, dürften Unvoreingenommene dieser
prophylaktisch-hygienischen Maßnahme Pitschs wohl mit Nachsicht begegnen).
Ferner der phänomenal erfolgreiche Trick von Management-Strategen seit
Hawthorne, brave Malocher als Menschen behandeln zu lassen, auf den Jünke
prompt hereinfällt; aber schließlich versteht er von Industriesoziologie so
viel wie von allem übrigen, worüber er sich ausläßt, nämlich nichts. Vollends
kriminell wird es dann in der philosophischen Oberliga, bei Hegel. Hier leistet
sich Jünke auf seinem intellektuellen Bolzplatz ein Eigentor nach dem anderen.
Auf der Seite 54 von „Nation – Klasse – Kultur“ findet sich (eingeklemmt
zwischen einem satirischen Verbraucherschutz-Schlenker und der Abrechnung
zweier leitender „FAZ“-Redakteure mit der Hochstapelei manch eines
Achtundsechzigers), auf 20 Zeilen zusammengedrängt, ein vergleichendes Resümee
der Grundpositionen dreier von Hegel ausgehender philosophischer und
soziologischer Schulen, wie, so akkurat wie hochprozentig, ich selber es gern
öfter läse. Jünke hingegen steht da wie der Ochs vorm Berg, unfähig, das
Aussagenknäuel dialektisch zu entwirren. Er stottert drauflos: Die herrschende
Entfremdung, „so Pitsch en passant, ‘vermag nicht mehr, wie bei Hegel,
versöhnt, sondern nur noch kompensiert zu werden’ – nämlich durch Konsum oder
freiwillige Askese. Einen Satz später, und in direktem Anschluß an Arnold
Gehlen [letzteres die Infamie schlechthin, S.D.], erweitert er diese Erkenntnis
ins Gegenteil und schreibt, daß die Entfremdung doch aufgehoben werden könne – ‚nämlich
via Rücknahme der Freiheit, durch neue Ein-Ordnung, durch Ge-Bundenheit‘“. Den
ganzen Klumpatsch nennt der schlicht gestrickte Jünke dann eine „klassisch
neokonservativ-reaktionäre Sichtweise“, wie gehabt. Ignorieren wir einmal, daß
bloß im neulinken Dummdeutsch (Eckhard Henscheid) eine „Erkenntnis in ihr
Gegenteil erweitert“ werden kann; ferner, daß Jünke offenbar nicht spitzkriegt,
wie im letzten Teil des Zitats die Heideggersche Terminologie parodiert (!)
wird. Doch wie vermöchte Pitsch in irgendeiner seiner mephistophelischen
Inkarnationen (sei’s als miederwarenfixierter Terrorist, sei’s als
altphilologisch versierter Kommunist, sei’s als glühender Lukácsianer) die
Position zu vertreten, daß die Entfremdung – besser: Entzweiung – nicht länger
aufgehoben, sondern nurmehr kompensiert werden könne? Antwort: Er vertritt
diese Position gar nicht. Des Rätsels Lösung ist wieder einmal die, daß hier
erneut ein Referat geboten wird, was Jünke nur zu dämlich ist zu kapieren.
Referiert wird nämlich die Position der Ritter-Schule oder, vorsichtiger
formuliert, die von Odo Marquard (vgl. dessen „Skepsis und Zustimmung.
Philosophische Studien“, Stuttgart 1994, p. 23). Und im Unterschied zu seinem
dummdreisten Resteverwerter Jünke hat noch Kofler den frühen Marquard gelesen
und ihn an einer entscheidenden Stelle seines Werkes zustimmend zitiert. Die
Kompensation der Entfremdung durch Konsum ist eine hanebüchene Konstruktion und
allein auf Jünkes Mist gewachsen. Nicht einer der in diesem Abschnitt zur
Diskussion stehenden Denker vertritt auch nur annähernd etwas Ähnliches,
geschweige denn, daß Koflers Wiener Herausgeberkreis es täte. Schelsky ist zwar
nicht der Ansicht, daß Konsum die höchste Form der Selbstentfremdung bedeute,
befürwortet aber deshalb noch lange nicht Konsum um jeden Preis (aber wie
gesagt, Logik ist die Forte Jünkes nicht). Es war einer der beiden
kalifornischen Marcuses, der Konsum so auffaßte, aber obwohl Jünke den Ärmsten
sonst bei jeder unpassenden Gelegenheit im Munde führt, taucht er hier, wo er
einmal hingehörte, nicht auf. Auch der ebenso bemerkens- wie untersuchenswerte
Dissens innerhalb der Leipziger Schule, was Askese angeht, interessiert Jünke
nicht die Bohne, da er für seinen „undogmatisch linken“ Quatsch ja nichts
hergibt. Im übrigen besitzt die Askese für Gehlen zwar einen hohen Stellenwert,
doch keinerlei kompensatorische Funktion. Die hätte allenfalls die moderne
Malerei inne, bei Ritter senior dann die Geisteswissenschaften usw. Aber
dergleichen Finessen kennen Jünke & Co. nicht einmal vom Hörensagen, gemäß
ihrer Devise „ignorance is bliss“.
Ferner
behauptet Jünke, im Karolinger-Band stünde, „integraler Teil, ja geradezu
Gipfelpunkt der Fälscherarbeit der federführenden Mitglieder der Leo
Kofler-Gesellschaft“ sei die Marginalisierung von Koflers Broschüre „Die Nation
– Zukunft und Verpflichtung“ (1987).
Diese
Behauptung ist unzutreffend.
Richtig ist
vielmehr, daß wir im Gegensatz zu dem Verwirrspiel, das Jünke
jetzt inszeniert, genau unterscheiden zwischen eklatanten Textfälschungen auf
der einen und „bloßen“ Manipulationen auf der anderen Seite. Zu den ersteren
gehört die Eliminierung von Koflers Hinweis auf Carl Schmitts „Politische
Theologie“ sowie die eines Abschnitts über den sog. „Prager Frühling“. In der
Kofler-Sammlung bei Karolinger wird auf S. 263 konstatiert, der
„Nation“-Vortrag sei von der LKG „gezielt verschwiegen und unterdrückt“ worden,
und das entspricht genau den Tatsachen (oder der „Wahrheit“, wie Lügner Jünke
gern im Prolet-Stil Walter Jankas bramarbasiert). Als überhaupt existierend
ward das Schriftchen bis 2006 erwähnt lediglich im Rahmen der intern
hektographierten Bibliographie der LKG, aber auch dort wurde es, damit es nicht
über Gebühr Aufmerksamkeit erregte, vor den in Wirklichkeit früher
erschienenen literatursoziologischen Studien u. d. T. „Avantgardismus als
Entfremdung“ placiert. Oder will uns Jünke, der Historiker zu sein prätendiert,
im Ernst weismachen, daß er schon auf der schieren Faktenebene nicht einmal
eine simple Chronologie der Daten hinkriegt, da bekanntlich Koflers [80.]
Geburtstag = 26. April (aus Anlaß dessen damals die Aufsätze zur Ästhetik
ediert wurden, und dies mehr schlecht als recht, da der linke Frankfurter
Sendler Verlag überflüssigerweise in alles hineinredete und auch Zensur
ausübte) vor dem einstigen Tag der deutschen Einheit = 17. Juni lag. Entrüstet
erklärt uns Jünke nun, daß seine Truppe (eine kleine, alles andere als radikale
Minderheit) Koflers deutschlandpolitische Erwägungen „sogar intensiv
diskutiert“ hätte. Allerdings. Aber erst im Jahre 2000, nachdem Pitsch beim
Bochumer Kongreß die Bombe hatte platzen lassen und man daraufhin das leidige
Thema beim besten Willen nicht länger vertuschen konnte. Mit Blick auf Koflers
patriotisches opusculum fügt Jünke dann mit treuherzigem Augenaufschlag hinzu:
„Vertreiben kann man nur etwas, was man zur Verfügung hat.“ In der Tat. Doch
warum hatte die LKG ausgerechnet jenes Heftchen nicht zur Verfügung, wo sie
doch sonst alles von Kofler vertrieb (etwa Remittendenexemplare von „Geistiger
Verfall und progressive Elite“ oder „Vergeistigung der Herrschaft“)? Es geht,
wieder einmal, um die famose „Greifbarkeit“, welche im Falle von „Die Nation – Zukunft
und Verpflichtung“ zu optimieren sich die LKG charakterfest und standhaft bis
zum letzten Männlein/Weiblein weigerte. Am liebsten hätten Jünke & Co. es
gesehen, wenn das verfluchte Ding irgendwo in einem feuchten Keller in Nienburg
an der Weser vermodert oder, besser noch, gleich in den Reißwolf gewandert
wäre. Und um diesem Schicksal vorzubeugen, mußte erst der Müller & Nerding
Verlag kommen und die Restauflage aufkaufen, die jetzt in München zum
Spottpreis von Euro 2,50 pro Stück erstanden werden kann – neben u.a. Wolfgang
Harichs anti-Ulbricht- & anti-Adenauer-Broschüre „Deutschland – Spaltung
und Vereinigung“, die als Pendant zu den Erörterungen seines Freundes Kofler
konzipiert worden war. Mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt Haptiker Jünke, daß
am Schluß des Karolinger-Bandes in einer 4seitigen Verlagsanzeige die erneute
„Greifbarkeit“ jener beiden kleinen Schriften, die der weichgespülten Linken
ein Graus sein müssen, avisiert wird. Daß also der mündige Bürger schließlich
selbst vergleichen kann, ist nicht Jünkes Verdienst. Und nur weil er das eisern
totschweigt, kann er umgekehrt dann so tun, als wären die 2003 vom wackeren
Peter Fix zusammenmontierten kurzen Auszüge aus Koflers „Die Nation“, die 2007
die Karolinger-Sammlung 1: 1 übernommen hat (zudem extensiv erläutert),
ihrerseits eine „Manipulation“. (Nebenbei: In Jünkes Kofler-Biographie – einer
Schwarte von 700 Seiten, mit der man jemanden erschlagen könnte – firmiert „Die
Nation“ in einer einzigen Fußnote.)
Ich denke,
das genügt. Doch halt! Vergessen wir nicht die „Mitteilungen“ der LKG, eine Art
Hilfsschülerzeitung, in der sie endlich unter sich sind, die intellektuellen
Sitzriesen, seit 2000 die letzten Quertreiber wie Pitsch und Dornuf schmählich
aus ihrer Mitte verbannt wurden. Zumindest in jenen Blättern, so Jünke
aufgebracht, gäbe es nicht das Geringste zu beanstanden, und wer doch etwas
finde, könne sich auf eine Regreß-Klage gefaßt machen. Schreiten wir also
gutgelaunt zu einer Stichprobe, sagen wir in der zuletzt erschienenen Nr. 7 vom
November 2007 (dem ersten Heft seit September 2003 [!], in welchen
viereinviertel Jahren ich von der LKG mit Bienenfleiß abkassiert wurde, um den
geistigen Winterschlaf dieser Gaukler zu finanzieren). Dort ist nachgedruckt
ein Artikel aus der inzwischen legendären Postille „Freitag“ vom 27. April 2007,
überschrieben: „Die progressive Elite“. Es spricht zu uns einer ihrer
erlauchtesten Schädel, Dr. phil. Rüdiger „geh du voran“ Dannemann vom Vorstand
der Internationalen Georg Lukács-Gesellschaft, der angetreten wurde, um seinem
Spezi Christoph J. zu lobhudeln. Zunächst malträtiert er mit gewohnter Inbrunst
meine Muttersprache: „Erschwerend wurde Jünke die Arbeit gemacht, daß Teile des
Koflerschen Nachlasses noch zu Lebzeiten bei ‘Schülern’ ausgelagert wurden, von
denen einige die Einsichtnahme verweigerten.“ An dieser Stelle schmunzelt der
lesende Arbeiter, schwant ihm doch, daß mit dem Einsichtsverweigerer nur Stefan
D., dieser verflixte Kerl, gemeint sein kann. Doch es kommt noch dicker,
faustdick sozusagen, wenn Dannemann extemporiert: „Der durch das Scheitern der
68er Revolte Frustrierte [= Kofler] entschärft seine einst so radikale
Stalinismus-Kritik, er rechtfertigt den Einmarsch der Sowjets in Prag (Lukács
schreibt unterdessen seine Demokratisierungsschrift, in der er die Tradition
der Rätedemokratie zu aktualisieren versucht), wird später Anhänger
Gorbatschows. Zuletzt neigt er zu Ironie, Sarkasmus, ja Zynismus“, den drei
tragenden Säulen also der abendländischen Zivilisation. Und von einem solchen
Trottel, der Deutsch weder lesen noch schreiben kann, liegt in philosophischen
Seminarbibliotheken bundesweit „Georg Lukács zur Einführung“ (rektal
vermutlich; zu Nebenwirkungen wie Gehirnerweichung s. das Kleingedruckte auf
dem Beipackzettel). Kein Wunder, daß den ungarischen Denker niemand mehr für
voll nimmt, wenn derartige Koryphäen „ideologische Verdauungshilfe“ (Harich)
leisten. Doch wo zum Teufel bleibt hier überhaupt Jünke, der selbsternannte
linke Tugendwächter? Denn schließlich hat sich in Dannemanns obiges Referat ein
übler faux pas eingeschlichen, der wenigstens in einem knappen nachträglichen
Zusatz zu seinem Murks hätte richtiggestellt werden müssen, bevor man den Dreck
in Druck gibt – nähme die LKG ihre Aufgabe ernst, statt sich in wechselseitiger
Beweihräucherung zu üben. Kofler war nämlich mitnichten Gegner des Reformkurses
in der CSSR 1968, sondern dessen Anhänger – und dies so sehr, daß Werner
Seppmann im Auftrag der DKP den betreffenden Passus aus Koflers Buch
„Technologische Rationalität“, von 1971, für die von ihm „herausgeberisch
betreute“ (so Jünkes Euphemismus für von ihm selbst oder Seppmann Gefälschtes,
cf. Fußnote 8 im Internet-Elaborat des ersteren) Neuausgabe bei VSA u. d. T.
„Beherrscht uns die Technik?“, von 1983, tilgte, natürlich ohne Wissen Koflers.
Die allgemeine Verblendung hinsichtlich des besonderen tschechoslowakischen
Weges zum Kapitalismus, an der Lukács und Kofler seinerzeit partizipierten,
wurde von nur ganz wenigen prominenten Gelehrten damals nicht geteilt – darunter
Arnold Gehlen, Wolfgang Harich (vgl. für beide jetzt Günter Maschke, „Wer vom
Feind frißt, stirbt daran“, in: Wolfgang Harich, „Deutschland – Spaltung und
Vereinigung“, a.a. O., pp. 49–55 [hier p. 53]) sowie dem herausragenden – und
deshalb heute fast vergessenen – Marburger Nationalökonomen und Soziologen
Werner Hofmann, von dem auch die scharfsinnigste Stalinismus-Aufarbeitung des
„östlichen Marxismus“ stammt, die diejenige Koflers (und Lukács’) bei weitem in
den Schatten stellt. Der rechtmäßige Vollstrecker von Dubceks politischem
Testament in Bezug auf Nordamerika und Rußland ist Seine Durchlaucht Fürst
Schwarzenberg.
Daß sich das
Vorangegangene streckenweise wie eine Lachparade liest, ist nicht nur meiner
(selten angezweifelten) Berufung zum Entertainer geschuldet, sondern liegt
auch, und mehr noch, in der Natur der Sache. Denn die Protagonisten der Kofler-
wie der Lukács-Gesellschaft sind sub-Molièresche Witzfiguren, denen eine andere
Behandlung unangemessen wäre. Eine berühmte Formulierung von Marx im direkten
Anschluß an Hegel spricht davon, daß die Geschichte (maximal!) zwei Durchgänge
kennt, den einen als Tragödie, den anderen als Farce. Kein Zufall auch, daß der
amtierende Vorsitzende der Marx/Engels-Stiftung, der von Hause aus
intellektuell kleine Brötchen backt, in seiner MEW-Zitatomanie diese eine
Stelle niemals beibringt: Sie wäre allzu offensichtlich contra domum = LKG
ausgerichtet. Cf. Schmittiana VIII (2003), p. 253.
Reden wir
ruhig einmal Tacheles. Der Hauptvorwurf Jünkes wie der Kofler-Gesellschaft an meine
Adresse ist der, daß ich – „aus wohlhabendem Hause stamme“. Man reibt sich die
Augen, aber da steht es schwarz auf weiß. Genau das ist es. Da liegt der Hund
begraben, das ist der nie versiegende Quell des Grolls dieser Knilche. Ich
entsinne mich noch lebhaft, wie verdutzt Jünke aus der Wäsche guckte, als ich
bei meinem Bochumer Colloquiums-Referat 2000 über die Marxsche Utopie der
klassenlosen Gesellschaft (von Jünke gedolmetscht als „geschichtsphilosophische
Rechtfertigung des historischen Stalinismus“ – gibt es noch einen anderen?) den
fürwahr zentralen Programmpunkt der Abschaffung des Geldes ansprach. Jenes
„kostbaren“ Geldes, von dem Jünke in der Einleitung zu seiner
Kofler-Biographie, p. 22, schwärmt, als lebte er in Entenhausen. Jünke hat
Glück, daß keine Verwirklichung des Marxismus mehr droht, denn eine solche Welt
wäre für ihn und seinesgleichen ein Alptraum: Dort könnte jemand wie er ja
nichts mehr abgreifen, sondern müßte gemeinnützige Arbeit leisten, statt wie
jetzt, ohne Rücksicht auf den Regenwald, ein Papier nach dem anderen
rauszuhauen, das von keinerlei Intelligenz getrübt ist, aber sich mit
lupenreiner Gesinnung über die Runden rettet. Daher auch das gewaltige
Muffensausen, als Pitsch bei derselben Bochumer Gelegenheit (übrigens ohne
Absprache mit mir) aus heiterem Himmel plötzlich die nationale Frage aufs Tapet
brachte. Nicht auszudenken, wenn es sich herumspräche, daß Kofler freimütig
auch mit Burschenschaftlern diskutierte, seinen letzten großen Vortrag
vor der CDU hielt (nochmals: einer liberalen, keiner konservativen Partei) und
1987 die deutsche Wiedervereinigung auch mit Österreich und der teutophonen
Schweiz anmahnte! Das wäre sicher nicht zuletzt jenen SPD- und
gewerkschaftsnahen Stiftungen und Gremien übel aufgestoßen, von denen sich der
promovierende Jünke aushalten ließ.
Frage: Warum
haben denn die Lukács- wie die Kofler-Gesellschaft mich, den lästigen Dorn im
Fleische der politisch Korrekten, nicht schon vor Jahren aus ihren Reihen
ausgeschlossen und an die frische Luft gesetzt, die mir so gut tut, da ich mit
meiner Meinung ja doch weiß Gott nicht hinterm Berg halte? Antwort: meines
„kostbaren“ Geldes wegen, von dem zwar, dank Jünke & Konsorten, nicht mehr
allzu viel übrig ist, das jedoch, in Form von üppig bemessenen
Mitgliedsbeiträgen, mithelfen soll, den Tinnef der Lukács- bzw. den
Makulaturmüll der Kofler-Leute zu honorieren.
Wenn ich auf
jeden linken Blödian, der mich aufgrund meiner, leider!, nicht
unterdurchschnittlichen Kenntnisse angreift, erwidern müßte, käme ich bald zu
gar nichts anderem mehr (ich veröffentliche ohnehin schon so wenig wie möglich,
und auch nur noch in deutscher, englischer und französischer Sprache). Doch ich
bin mittlerweile ein alter Mann und muß mit meinen mir verbliebenen Kräften
knausern. Des ewigen Hickhacks müde, habe ich armer Couponschneider deshalb der
fröhlichen Wissenschaft weitgehend Valet gesagt und betätige mich seit 2006
überwiegend als freier Schriftsteller, der nicht allzu umfangreiche Bücher dem
Kleinadel oder der Großbourgeoisie widmet – Menschen mithin, die bereits äußerlich
in einem Maße der Pupille schmeicheln, wie man es aus linken Kreisen kaum
gewohnt ist (meinen Gruß nach Wien an Prof. Dr. Dr. h.c. Carlo Kagatoi, s.
Vorwort des Kofler-Bandes bei Karolinger).
Dessen mutiger Verleger Petrus Alba,, der, sekundiert von seinem Freund, dem generösen
Günter Maschke, sich schließlich bereit fand, die Kofleriana trotz hohen finanziellen Risikos zu produzieren (immerhin hat er ja bereits
Lieblingsautoren von Marx und Engels wie z.B. Clausewitz im Programm), erhielt
am 30. Januar 2008 ein Schreiben vom Kölner Rechtsanwalt der Kofler-Witwe, das
ihn ultimativ dazu aufforderte, die Restauflage von „Nation – Klasse – Kultur“
nicht nur nicht weiter zu vertreiben, sondern – „zu vernichten“. An was mochte
der rheinische Frohsinn dabei gedacht haben? An ein gemütliches Bücher-Barbecue
auf dem Heldenplatz vielleicht, pünktlich zum 75. Jubiläum von 1933? Oder zum
70. von 1938? Das würde dieser Fälscherwerkstatt namens Leo Kofler-Gesellschaft
nur zu gut in den Kram passen, wenn alle Spuren ihrer Manipulationen auf diese
Weise ausgemerzt werden könnten und ein linkes, politisch korrektes
Duckmäusertum obsiegte.
Der eigentliche Skandal ist ein ganz anderer als derjenige, welchen Jünke, der die
Flucht nach vorn antritt, ausposaunt: daß nämlich die nicht wieder gut zu
machenden Verbrechen an den deutschen Juden/jüdischen Deutschen zwischen 1933
und 1945 inzwischen immer öfter dazu herhalten müssen, jede nur erdenkliche
Dokumentenfälschung oder intellektuelle Hanswurstiade zu legitimieren. Ärger
könnte man die Opfer kaum verhöhnen. Und das hätte allerdings Leo Kofler genau
so gesehen.
v. i. S. d. P. Stefan Dornuf
(geschrieben Anfang April 2008; ins Netz gestellt im September 2008)